Freitag, 24.November 2017

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Gegen den Stillstand – Für mehr Aufträge: Federnwerk strebt 2013 neues Zertifikat an

Staßfurter Familienunternehmen hält Mitarbeiterzahl durch Strukturanpassung stabil





Foto: Kathleen Radunsky


Rund 18 Kg wiegt ein Rohling, den Hartmut Becker in der Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH walzt. Seit 21 Jahren ist er in dem Betrieb tätig. Das Familienunternehmen will sich auch künftig weiterentwickeln.



Auf die steigenden Strom- und Gaspreise reagiert die Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH mit Änderungen im Produktionsablauf. Außerdem wird im kommenden Jahr eine europaweit geltende Zertifizierung angestrebt, um neue Kunden zu werben.

Von Kathleen Radunsky

Staßfurt:
Einen heißen Arbeitsplatz in der kalten Jahreszeit hat Hartmut Becker. Der Staßfurter arbeitet seit 21 Jahren fürdie Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH in der Bodestadt als Metallbauer. Er ist dafür zuständig, Rohlinge für die verschiedenen Federn des Unternehmens zu walzen. Dabei bewegt er ganz schön viele Gewichte. Die Evolutfeder beispielsweise verlangt von Hartmut Becker das Transportieren von 18 Kilogramm schweren Rohlingen.
Dass die Arbeit in dem Staßfurter Federnwerk durchaus körperlich anstrengend ist, damit hält Geschäftsführer Hartmut Bischoff nicht hinterm Berg. Potenzielle Lehrlinge werden darüber informiert. In dem Staßfurter Traditionsunternehmen wird für den eigenen Bedarf ausgebildet, um auch die Altersstruktur in einem gesunden Mittel zu halten. Das freut nicht nur die eigene Unternehmensführung, sondern auch Staßfurts Oberbürgermeister René Zok. Er hat sich kürzlich die Firma, die in Staßfurt an zwei Standorten zuhause ist, angesehen. Am Silberfeld befindet sich die Zentrale, in der Calbeschen Straße die Produktion.
„Es ist erfreulich, dass sich der Betrieb in den über 160 Jahren seiner Firmengeschichte hier in Staßfurt etabliert hat“, sagt Zok gegenüber der Volksstimme. Der Oberbürgermeister lobt zudem, dass die Entwicklung der Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH auch positiv für die Stadt selbst sei. So beschäftigt dieses Unternehmen 94 Mitarbeiter. Im Jahr werden rund 1200 bis 1500 Tonnen Stahl verbraucht. Das ist eine Hausnummer.
Einen großen Schritt nach vorn hatte das Unternehmen zuletzt in diesem Jahr gemacht. Per 29. Juni hat die Firma die herstellerbezogene Produktqualifikation für die Produktion von Blattfedern und Parabelfedern für Schienenfahrzeuge der Deutschen Bahn (kurz HPQ) erfolgreich gemeistert. „Damit gehören wir zum Kreise der wenigen Firmen, die diese Zulassung erreicht haben“, schätzt Frank Ritter, neben Hartmut und Gabriele Bischoff dritter Geschäftsführer, diesen Meilenstein in der Firmengeschichte ein.

Daten & Fakten zum Unternehmen

Die Firma Bischoff wurde in Staßfurt 1853 als Schmiede im Familienbetrieb gegründet und ist bis heute in der Hand der Familie Bischoff. Die Fertigung wurde in zwei Schritten, in den Jahren 2000 und 2009, auf insgesamt

circa 8000 Quadratmeter überdachte Produktionsfläche ausgebaut.
Neben der Produktion von Federn werden in dem Staßfurter Unternehmen außerdem Nutzfahrzeuge gewartet und repariert.

Das bedeutet, dass das Staßfurter Unternehmen jetzt aufgrund der Zulassung Aufträge von der Deutschen Bahn erhalten kann.
Die ersten Aufträge hat das Staßfurter Familienunternehmen dank dieser Zertifizierung schon an Land ziehen können. Nun will sich die Firma an einer Ausschreibung der Staatsbahn Nordeuropa beteiligen. Und die Prognosen im Bahnbereich für 2013 lassen Frank Ritter zuversichtlich in die Zukunft sehen. „Laut den Planzahlen erwarten wir einen deutlichen Ruck nach vorn im kommenden Jahr“, sagt er.
Unabhängig davon will die Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH in ihrer Entwicklung nicht stagnieren. Deshalb plant Frank Ritter für 2013 eine weitere Zertifizierung, sie trägt den Namen „Iris“. Damit wird das Qualitätsmanagement für den Bereich Bahn im Unternehmen bescheinigt. „Dieser Nachweis gilt europaweit und würde uns mit den Erstausrüstern auf eine Augenhöhe stellen“, schätzt Ritter ein.

Um im Wettbewerb weiterhin mithalten zu können, versucht die Unternehmensleitung gleichzeitig, die Preise der eigenen Produkte stabil zu halten. Eine nicht ganz so einfache Angelegenheit bei den steigenden Strom- und Gaspreisen. „Wir versuchen, diese Kosten zu kompensieren, indem wir den Materialfl uss innerhalb der Produktion verbessern“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb wurden in den vergangenen Wochen auch neue Hallentrakte in der Calbeschen Straße aufbereitet. Dadurch können die Maschinen anders und damit für einen effektiveren Ablauf aufgestellt werden. „So können wir eine erhöhte Stückzahl erreichen“, schlussfolgert Ritter. Mit diesen Maßnahmen will die Unternehmensleitung außerdem die Mitarbeiterzahl beibehalten. „Wir werden unser Stammgeschäft aufrecht erhalten und das Bahngeschäft ist ein Zusatz“, sagt der Geschäftsführer deshalb. Erledigt wird dies durch die 94 Mitarbeiter. „Wir haben keinen Stellenabbau vor“, versichert Ritter.

Volksstimme, Dezember 2012