Freitag, 15.Dezember 2017

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Wenn die Blattfeder schlapp macht




 
Fotos: Vahle


Blattfedern können bemitleidenswert aussehen (oben), aber dennoch ihre Funktion erfüllen. Hier war nur „schön machen“ erforderlich.
Wenn einzelne Federn im Paket beschädigt sind, fertigen die Mitarbeiter neue an. Hier entsteht ein neues Auge.



Wenn einzelne Federn im Paket beschädigt sind, fertigen die Mitarbeiter neue an. Hier entsteht ein neues Auge.

Blattfedern haben schon im Kutschbau wertvolle Dienste geleistet
und bis heute haben sie sich im Automobilbau gehalten. Doch was tun,
wenn sie ermüdet sind und nur noch schlapp rumhängen?

Erst wenn das alles geklärt ist, machen sich die Federschmiede ans Werk. Häufig geht es auch darum, die Federpakete nach den Vorstellungen des Kunden zu optimieren. „Wir können natürlich höherrichten, runterrichten, verlängern oder auch verkürzen – je nachdem, wie das Fahrzeug nachher aussehen soll.“ Ein Kunde habe beispielsweise einen Hot Rod im Stil der 30er-Jahre aufgebaut, da seien umfangreiche Modifizierungen an der Originalfeder notwendig gewesen. Ganz zum Schluss ist dann noch zu klären, wie die Oberfläche aussehen soll. „Standardmäßig bieten wir schwarzen Rostschutzgrund an, eine Lackierung in anderen Farben ist aber auch möglich“, sagt Ritter. tv

Um genaue Aussagen zur Spezifikation machen zu können, verfügt das Federnwerk Bischoff über moderne Prüftechnik.

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Es gibt verschiedene Grade des Verschleißes“, erzählt Frank Ritter, Geschäftsführer des Federnwerk Bischoff in Staßfurt, aus seiner langen Praxis. Oft gehe der Kunde davon aus, dass seine Blattfedern völlig verschlissen sind, bei der Prüfung stelle sich aber heraus, dass sie zu 100 Prozent in Ordnung seien. „Eine Blattfeder kann optisch einen bemitleidenswerten Eindruck machen, aber dennoch voll funktionsfähig sein“, sagt Ritter. Deswegen sei ein Großteil der Aufträge auch „schön machen“. Das bedeutet: Zerlegen, strahlen, verzinken, eventuell lackieren und wieder zusammenbauen.
„Wenn wir allerdings Risse feststellen oder sogar Brüche, dann wird es aufwendiger“, sagt Ritter. Seine Kollegen sind auf alle Eventualitäten gut vorbereitet. Sie können Teile rekonstruieren, defekte Bauteile austauschen oder sogar komplette Federn neu anfertigen, wenn die Originalstücke abhanden gekommen sind. Eine wertvolle Hilfe dabei ist das firmeneigene Archiv, in dem sich unter anderem alte Kataloge mit den genauen Spezifikationen befinden. Hilft das nicht weiter, muss das Aussehen der Feder rekonstruiert werden.
„Oft ist es so, dass die Kunden selbst weiterhelfen können, beispielsweise mit Fotos.

Wenn auch das nicht geht, müssen wir am Fahrzeug ausprobieren, was sinnvoll ist, da helfen unsere Erfahrungswerte weiter“, sagt Ritter, der seit seiner Ausbildung 1995 im Federnwerk Bischoff beschäftigt ist. Seit dem vergangenen leitet er die Geschäfte des Betriebes, dessen Gründung auf das Jahr 1853 zurück geht. Schon zu DDR-Zeiten hatten die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun – schließlich waren die Straßen schlecht und Blattfedern in fast jedem Auto aus sozialistischer Produktion verbaut. Seit dem Mauerfall ist der Betrieb stark gewachsen, das Federnwerk Bischoff produziert heute auch Federn beispielsweise für die Bahn oder für die Möbelproduktion. Blattfedern für Lkw gehören natürlich auch zum Repertoire. Doch zurück zu den Oldtimern. „Es ist für uns wichtig, genau zu wissen, was derKunde möchte“, berichtet Ritter.
Oft werde der Auftrag nur abgegeben mit den Worten „Macht die mal wieder fertig“. „Das ist für uns sehr schwierig, weil wir nicht wissen, was der Kunde genau will“, sagt der Geschäftsführer. Im Gespräch muss er dann herausfinden, was an den Federn auszusetzen ist: ob sie vielleicht durchhängen, das Auge ausgeschlagen, nicht original oder einfach nur rostig und verschmutzt sind.